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Öffentliche Gemeinderatssitzung am 06.11.2009

By K. Zeiler
Erstellt 16.11.2009 - 16:52

Waldbegang im Stadtwald Trochtelfingen

Der Stadtwald ist mit einer Holzbodenfläche von knapp 1.800 ha ein wichtiger ökologischer und ökonomischer Faktor in Trochtelfingen. Der Gemeinderat lässt sich deshalb in einem 2-jährigen Rhythmus vor Ort regelmäßig durch das Forstamt und die zuständigen Revierleiter über bestimmte Themenschwerpunkte informieren. Beim diesjährigen Waldbegang wurde dem Gremium von Revierleiter Martin Tschöpe in den Gewannen „Betteltäle“ und „Gruchenberg“ auf Gemarkung Mägerkingen vor Augen geführt, wie sich ein Fichtenbestand aus einer Erstaufforstung auf einem für diese Baumart nicht geeigneten Standort entwickelt. Die Forstfachleute konnten deutlich zeigen, dass dem Wachstum auf nicht geeigneten Standorten natürliche Grenzen gesetzt sind und die Bäume an solchen Standorten nach 50 bis 60 Jahren krank sind und abgehen. Dem gegenüber wurde in der benachbarten Abteilung „Gruchenberg“ ein Bestand mit Buchen-Altholz mit Schirmverjüngung gezeigt und auch darauf hingewiesen, dass in solchen Beständen auch Bäume sinnvoller Weise als sogenannten „Spechtbäume“ stehen bleiben dürfen. In der gleichen Abteilung konnte Herr Tschöpe auf einem alten Waldboden einen stabilen Fichtenbestand vorzeigen. In diesem Bestand wurde das große Nutzungspotential der Fichte und deren Ruf als sogenannter Brotbaum deutlich vor Augen geführt. Auch für den Laien war erkennbar, dass der geeignete Bodenstandort ausschlaggebend ist für die Entwicklung und damit für einen guten finanziellen Ertrag aus dem Stadtwald. Im Gewann „Schaltenloch“ wurde dem Gemeinderat eine Buche-Durchforstung gezeigt und die Vermarktungsmöglichkeit für dieses Holz erläutert. Ob Holz aus einer solchen Durchforstung als Stammholz verkauft werden kann oder als Brennholz abgegeben wird, bestimmt über den zu erlösenden Preis der Markt. Die Nachfrage nach Brennholz ist in Trochtelfingen nach wie vor sehr rege, Buchen-Stammholz oder Paletten-Holz ist allerdings nur schwer zu einem ordentlichen Preis abzusetzen. Im Gewann „Spitziger Berg“ auf Gemarkung Trochtelfingen hat der Leiter des Forstrevier Trochtelfingen I, Gottfried Gaiser, dem Gemeinderat die Entwicklung vom Heidewald zu einem stabilen Mischwald gezeigt und erläutert.

Bericht zum Vollzug des Kultur- und Nutzungsplanes für das Forstwirtschaftsjahr 2009

Der Kultur- und Nutzungsplan für dieses Forstwirtschaftsjahr ist weitestgehend abgearbeitet, besondere Ereignisse haben den Vollzug nicht beeinflusst. Nach wie vor ist die Preisentwicklung für Holz nicht zufriedenstellend, insbesondere für Buchen werden zur Zeit aus der Sicht des Waldbesitzers keine zufriedenstellenden Erlöse erzielt. Der Forstwirtschaftsplan 2009 kann hinsichtlich des Einschlags und der geplanten Pflege weitestgehend planmäßig abgewickelt werden, der veranschlagte Überschuss in Höhe von ca. 80.000,- Euro wird nach derzeitigem Stand erreicht.

Beratung und Verabschiedung des Kultur- und Nutzungsplanes für das Forstwirtschaftsjahr 2010

Dem Gemeinderat lag der vom Kreisforstamt ausgearbeitete Kultur- und Nutzugsplan für 2010 zur Beschlussfassung vor. Der Plan geht von einem Erlös in Höhe von 470.160,- Euro aus dem Holzverkauf aus. Diesem Erlös stehen Aufwendungen für den Holzeinschlag (Waldarbeiter, Unternehmer) mit 225.400,- Euro gegenüber. Für die Pflege der Kulturen, den Waldschutz und die Bestandspflege wird mit Ausgaben von 60.000,- Euro gerechnet. Weitere Kosten fallen für den Biotopschutz und die Landschaftspflege, für die Erholungsvorsorge, für die Fortbildung und den waldarbeiterbezogenen Aufwand an. Für Steuern und Versicherungen ist mit Kosten von 25.000,- Euro zu rechnen, der Verwaltungskostenbeitrag an das Land schlägt mit  24.150,- Euro zu Buche. Für die Unterhaltung der Waldwege waren vom Forstamt 21.000,- Euro geplant, dieser Planansatz wird auf Antrag aus der Mitte des Gemeinderats um 6.000,- Euro auf 15.000,- Euro reduziert mit dem Hinweis, dass sich die Waldwege in einem sehr guten Zustand befinden und angesichts der allgemeinen Finanzentwicklung die Reduzierung dieses Aufwands gerechtfertigt ist. Nachdem sich die Ertragssituation aus der Waldwirtschaft im kommenden Jahr wohl nicht verbessern wird, wird mit einem Überschuss aus dem Stadtwald im kommenden Jahr in Höhe von rund 40.000,- Euro gerechnet. Buchenbrennholz wird aus dem Stadtwald zum Preis von 43,- Euro/fm verkauft. Dieser Preis liegt am untersten Ende der Brennholzpreise der Kommunen in der Region und deutlich unter dem vom Forstamt empfohlenen Brennholzpreis. Der Preis für Brennholz aus dem Staatswald liegt um rund 10,- Euro/fm höher. Die Verwaltung hat deshalb vorgeschlagen, den Brennholzpreis um 2,- Euro/fm auf 45,- Euro/fm ab 2010 neu festzusetzen. Nach ausführlicher Diskussion wurde diesem Vorschlag zugestimmt und der Kultur- und Nutzungsplan für das Forstwirtschaftsjahr 2010 verabschiedet.

Beratung und Beschlussfassung zu Personalmaßnahmen im Stadtwald Trochtelfingen

Dem Forstrevier Trochtelfingen I wird zu Anfang des kommenden Jahres der langjährige Waldarbeiter Guido Sax wegen Eintritt in den Ruhestand ausscheiden. Vom Gemeinderat wurde beschlossen, die Arbeitsstelle planmäßig weiterzuführen, die Besetzung allerdings zunächst befristet bis Herbst 2010 auszusetzen, nachdem das Einschlagsoll im Stadtwald im Haushaltsjahr 2010 um 15 % gegenüber den Vorjahren auf Grund der schwierigen Holzmarktsituation reduziert wird.

Verabschiedung des Leiters des Forstreviers Trochtelfingen I

Herr Forstamtmann Gottfried Gaiser betreut seit 1982 als Nachfolger des damals ausgeschiedenen Gemeindeförsters Roman Faigle das Forstrevier Trochtelfingen I. Herr Gaiser ist als Landesbeamter dem Kreisforstamt Reutlingen zugeordnet und wird deshalb vom Landrat im Januar 2010 offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Aus Anlass des letzten Waldbegangs, an dem Herr Gaiser als verantwortlicher Revierleiter teilgenommen hat, bedankte sich der Bürgermeister für die qualifizierte und sachkundige Betreuung des Stadtwaldes und des Kleinprivatwald in den letzten 27 Jahren bei Herrn Gaiser und hat darauf hingewiesen, dass mit den Stürmen Lothar und Wibke außerordentliche Schadensereignisse nicht nur die Waldwirtschaft nachhaltig beeinflusst haben, sondern auch weit über das normale Maß hinaus Anforderungen auf den Revierleiter und die Waldarbeiter zugekommen sind. Herr Gaiser hat betont, dass die Arbeit im Stadtwald Trochtelfingen für ihn einerseits immer wieder mit neuen Herausforderungen verbunden war, andererseits aber auch viel Freude bereitet hat und dass es aus seiner Sicht sehr wichtig ist, dass dem Wald auch in der Zukunft die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt und die Nachhaltigkeit der Waldwirtschaft gewahrt bleibt. Der Gemeinderat hat sich bei Herrn Gaiser für die langjährige Betreuung des Stadtwaldes bedankt und ihm für den bevorstehenden Eintritt in den Ruhestand alles Gute, insbesondere Gesundheit gewünscht.